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Overberge

Vom bäuerlichen Dorf zur Bergarbeitergemeinde: Overberge erzählt vom tiefgreifenden Wandel durch den Bergbau – und davon, wie seine Spuren heute als Wege in die Zukunft genutzt werden.

Overberge

Table of contents

      Standorterklärung
      Vom Bauern zum Bergmann
      Bergbau als Ewigkeitsaufgabe
      Audio-Guide
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Overberge

Drei Finken

Der Schacht Grillo 4

Die Geschichte des Schachtes Grillo 4, der im Volksmund aufgrund des historischen Flurnamens fast ausschließlich „Drei Finken“ genannt wird, ist ein reales Stück dokumentierter Industriegeschichte. Das Gelände liegt an der Friedhofstraße im Bergkamener Stadtteil Overberge. Die Arbeiten für das Abteufen des Schachtes begannen im Jahr 1956 im östlichen Grubenfeld der Zeche Monopol, bevor die Anlage im Jahr 1959 offiziell in Betrieb ging. Der Schacht war von Anfang an nicht für die eigenständige Kohleförderung nach über Tage vorgesehen. Seine nachweisbare Funktion im Zechenverbund war die eines Material-, Seilfahrt- und ausziehenden Wetterschachtes, der für die Belüftung der tiefen Grubenbaue unverzichtbar war. Um neue Abbaufelder zu erschließen, wurde der Schacht in den Jahren 1978 und 1979 noch einmal tiefer geteuft und erreichte dabei seine dokumentierte Endteufe von exakt 1.051,4 Metern.

Das Ende des Betriebs kam im Jahr 1998, als der Schacht im Zuge der Stilllegungen des Verbundbergwerks Haus Aden/Monopol komplett verfüllt wurde. Das markante Fördergerüst über dem Schacht wurde im März 1999 abgerissen.

Was danach folgte, klingt zwar im ersten Moment unglaublich, ist aber ein realer und belegbarer Strukturwandel. Die ehemaligen Kauen- und Verwaltungsgebäude an der Friedhofstraße wurden nicht abgerissen, sondern für eine gewerbliche Nachnutzung umgebaut. Auf genau diesem alten Zechengelände ist heute das Familienunternehmen Busemann ansässig. Wo früher Bergleute zur Schicht fuhren, befindet sich heute die Produktion des bekannten „Bussy“-Wassereises und von Popcorn. Dass der historische Flurname weiterlebt, zeigt sich auch in der modernen Stadtplanung, da eine direkt angrenzende Erschließungsstraße im offiziellen Bebauungsplan der Stadt Bergkamen den Namen „Drei Finken“ trägt.

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Overberge

Vom Bauern zum Bergmann

Bis ins 20. Jahrhundert war Overberge ein landwirtschaftlich geprägter Ort. Felder, Viehhaltung und Handwerksbetriebe bestimmten den Alltag. Die Arbeit folgte den Jahreszeiten, das Leben war eingebettet in dörfliche Strukturen. Viele Familien lebten seit Generationen auf ihren Höfen.

Mit dem Bergbau veränderte sich das Leben grundlegend. Neue Zechen wie Grimberg und Haus Aden schufen Arbeitsplätze und lockten viele Menschen an – auch aus anderen Regionen und dem Ausland. Junge Männer verließen die Landwirtschaft und wurden Bergleute. Die Siedlungen rund um die Zechen wurden zu neuen Nachbarschaften mit vielfältigen Lebensentwürfen.

Der Wandel prägte Overberge dauerhaft. Schulen, Sportvereine, Kirchen und ein Alltag im Schichtbetrieb lösten das alte Dorfleben ab. Overberge wurde Teil einer industriell geprägten Region – mit neuen Chancen, aber auch tiefgreifenden Veränderungen.

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Overberge

Bergbau als Ewigkeitsaufgabe

Mit der Schließung einer Zeche ist der Bergbau nicht abgeschlossen. Unter Tage steigt das Grundwasser wieder an, welches zuvor künstlich abgesenkt wurde. Ohne regelmäßiges Abpumpen könnte es Schächte fluten oder Schadstoffe freisetzen. Auch an der Oberfläche zeigen sich langfristige Folgen: Der Boden senkt sich, Gebäude und Straßen können Schaden nehmen. Fachleute überwachen deshalb dauerhaft Bodenbewegungen, Wasserstände und Altlasten. Stillgelegte Halden werden gesichert oder landschaftlich umgestaltet. Diese technischen und organisatorischen Aufgaben müssen dauerhaft weitergeführt werden. Man spricht deshalb von der „Ewigkeitsaufgabe“ Bergbau – eine Aufgabe, die Generationen überdauert und noch lange nachwirkt.

Was ist noch geblieben?

Nach dem Ende des Bergbaus prägen viele Spuren weiterhin das Leben in der Region. Zechengebäude wurden erhalten und für neue Zwecke genutzt, etwa als Museen oder Kulturorte. Fördertürme ragen noch immer über das Gelände und erinnern an frühere Zeiten. In den ehemaligen Arbeitersiedlungen bleiben Straßennamen, Hausstrukturen und Gärten Hinweise auf das Leben rund um die Zeche. Auch Feste, Lieder und alte Vereinsstrukturen bestehen mancherorts fort. In Familien werden Erinnerungen an das Arbeiten unter Tage weitergegeben. Fotografien, Werkzeuge und persönliche Gegenstände bewahren diese Geschichten. Der Bergbau ist nicht verschwunden, sondern bleibt als Teil der Alltagskultur gegenwärtig.

Bergbau bleibt – Schäden, Wasser, Verantwortung

Obwohl die Zechen geschlossen und die Schächte verfüllt sind, wirkt der Bergbau weiter. In Overberge zeigen sich viele dieser Folgen: Risse in Häusern, abgesackte Straßen, beschädigte Leitungen. Ursache sind Senkungen durch den Abbau großer Gesteinsmengen im Untergrund.

Eine weniger sichtbare, aber zentrale Folge betrifft das Grubenwasser. Nach der Stilllegung der Zechen steigt das Grundwasser wieder an. Ohne Kontrolle könnte es Schadstoffe an die Oberfläche bringen oder Bauwerke unterspülen. Deshalb betreibt die RAG an ehemaligen Schachtstandorten große Pumpwerke. Sie halten den Wasserstand stabil.

Diese Pumpen müssen dauerhaft laufen. Die Aufgabe reicht über Generationen hinaus und ist gesetzlich geregelt. Auch in Overberge zeigt sich: Der Bergbau ist nicht vorbei – seine Folgen bleiben Teil des Alltags.

Was bleibt – neue Wege auf alten Spuren

Der Bergbau hat Spuren hinterlassen, die heute neue Möglichkeiten bieten. Halden, einst reine Ablagerungen von Abraum, sind heute grüne Erholungsräume. Sie wurden bepflanzt, mit Wegen und Aussichtspunkten ausgestattet und sind beliebte Ziele für Spaziergänge und Radtouren.

Ein weiteres Beispiel ist die ehemalige Klöcknerbahntrasse. Früher diente sie dem Transport von Kohle. Heute ist sie als Rad- und Wanderweg neu gestaltet – eine Verbindung zwischen Industriegeschichte, Natur und Freizeit.

Diese Orte erinnern an den Bergbau und geben ihm einen neuen Sinn. Overberge nutzt die alten Strukturen für neue Wege.

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Overberge

Die Entwicklung