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"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

In dieser Station dreht sich alles um den Siedlungsbau – von Bauernhof zur Zechensiedlung. Schau dir an, wie der Bergbau das Ortsbild sowie das Zusammenleben veränderte – und wie über Jahrzehnte eine vielfältige, migrationsgeprägte und eng mit der Zeche verbundene Gemeinschaft entstand.

"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Table of contents

      Standorterklärung
      Strassenentwicklung
      Rünthe im Wandel - Bevölkerungswachstum und Migration
      Bergarbeiterkolonie - neuer Lebensraum, neue Gemeinschaft
      Kulturelles Leben
      Audio-Guide
      Galerie
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"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Rünthe und der Schacht III

Vom Dorf zur Bergarbeitergemeinde

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann in Werne das Abteufen der Zeche Werne. Die Niedersächsische Aktiengesellschaft Georgs-Marien Bergwerks- und Hüttenverein suchte nach einem neuen Standort für die Steinkohlenförderung. Die Zeche Piesberg in Osnabrück musste 1898 infolge eines Wassereinbruchs aufgegeben werden. In Werne wurde ein geeigneter Standort für eine Abteufung gefunden.

1899 begannen die Arbeiten an den Schächten I und II. Bereits 1902 wurde mit der Steinkohlenförderung begonnen. Zwischen 1912 und 1913 entstand mit Schacht III in Rünthe ein weiterer Förderstandort mit vollständiger bergbaulicher Infrastruktur. Dazu gehörten unter anderem eine Kohlenwäsche, Verwaltung, Kesselhaus, Waschkaue und ein eigenes Kraftwerk. Die Weltwirtschaftskrise führte 1930 zur Stilllegung der Kokerei und der Tagesanlagen, 1937 wurden das Kesselhaus und das Kraftwerk abgerissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Seilfahrt auf Schacht III zeitweise wieder aufgenommen. 1960 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. Bis zum Jahr 2000 wurde der Schacht noch für die Wasserhaltung und die Bewetterung der benachbarten Anlagen genutzt. Heute sind nur noch das Verwaltungs- und Kauengebäude sowie die Kohlenwäsche erhalten.

Mit dem Ausbau der Zeche entwickelte sich auch der Ort Rünthe. Bereits im Jahr 1900 ließ die Zechengesellschaft erste Arbeiterhäuser an der heutigen Schachtstraße errichten. Der anhaltende Bedarf an Arbeitskräften machte den Bau weiterer Wohnhäuser und neuer Straßenzüge erforderlich. Die Zechensiedlung wuchs kontinuierlich und prägte zunehmend das gesamte Ortsbild.

Neben Wohnraum entstand eine grundlegende Infrastruktur für das Leben der Bergleute und ihrer Familien: Schulen, Konsumläden, kirchliche Einrichtungen und Vereine. Die Zeche war Arbeitsort, Zentrum des Alltags und Motor der Entwicklung. Auch viele Arbeitskräfte aus dem Ausland, insbesondere aus Osteuropa, kamen bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach Rünthe. So wurde der Ort nicht nur durch die Zeche selbst, sondern auch durch kulturelle sowie religiöse Unterschiede und sozialen Wandel geprägt. Rünthe war über Jahrzehnte eng mit dem Bergbau verbunden – wirtschaftlich, sozial und räumlich.

"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Die Chronologie

Straßenentwicklung

1900: nördliche Schachtstr.
1904/05: Glückaufstr., Knappenstr.,
Fäustelstr.
1906: Rünther Str.
1909: Schlägelstr.
1910: Overbergerstr.
1916/20: Schwarzer Weg
1922: Wernerstr., Ostenhellweg,
Westenhellweg
1924/25: Wierlingstr., Waldemeyerstr.,
Urnenstr., Otto-Wels-Str.

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"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Rünthe im Wandel

Bevölkerungswachstum und Migration

Mit dem Aufstieg des Steinkohlebergbaus wuchs auch Rünthe rasant. Aus dem ehemals ländlich geprägten Ort entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine lebendige Bergarbeitergemeinde. Mit dem Zuzug zahlreicher Bergarbeiterfamilien musste auch das tägliche Leben neu organisiert werden. Neue Schulen wurden gebaut, Konsumläden und Händler übernahmen die Versorgung. Wirtshäuser wurden zu wichtigen Treffpunkten und dienten dem für Austausch und dem Vereinsleben. Aus der einfachen Zechensiedlung wuchs nach und nach eine vielfältige Gemeinschaft.

Migration und Bevölkerungswachstum

Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine starke Zuwanderung ein. Der wachsende Arbeitskräftebedarf der Zechen zog Menschen aus Westfalen, dem Rheinland, Sachsen sowie aus den preußischen Ostprovinzen an. Ab etwa 1870 kamen viele Menschen aus dem Osten des damaligen Deutschen Reiches ins Ruhrgebiet und nach Rünthe. Sie stammten vor allem aus den Regionen Posen, Schlesien und Westpreußen. Viele von ihnen waren katholisch, sprachen Polnisch und wurden später als „Ruhrpolen“ bezeichnet.

Da sie eine andere Sprache und Kultur hatten, wurden sie oft als „fremd“ angesehen. Viele Menschen begegneten ihnen mit Vorurteilen. Deshalb gründeten die „Ruhrpolen“ zahlreiche eigene Vereine. So konnten sie ihre Sprache und ihre Traditionen bewahren. Gleichzeitig prägten die „Ruhrpolen“ die soziale und kulturelle Entwicklung des Ruhrgebiets entscheidend mit. Viele ihrer Nachfahren leben bis heute in der Region.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen weitere Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus Italien, Griechenland und der Türkei hinzu. In den 1980er und 1990er Jahren folgten viele Spätaussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion, die Arbeit in den noch bestehenden Bergwerken fanden. Auch Rünthe wurde so zu einem Ort, an dem viele Kulturen aufeinandertrafen. Diese Vielfalt prägt den Stadtteil und die Region bis heute.

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"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Bergarbeiter Kolonie

Neuer Lebensraum, neue Gemeinschaft

Die rasch wachsende Bevölkerung führte zu erheblicher Wohnungsnot. Die Zechengesellschaften reagierten mit dem Bau eigener Arbeitersiedlungen, den sogenannten „Kolonien“. Häufig geschah dies mit Unterstützung des Bochumer Knappschaftsvereins, einer bergmännischen Sozialversicherung, die unter anderem für Gesundheits- und Sozialleistungen zuständig war.

Die Knappschaft vergab zinsgünstige Darlehen für den Siedlungsbau. Voraussetzung dafür war die Einhaltung bestimmter Bauvorgaben: unter anderem ausreichend Platz sowie eine solide Bauweise. Ziel war es, die Lebensqualität der Arbeiter zu verbessern und Krankheiten wie Typhus, Ruhr oder Diphtherie vorzubeugen. In Rünthe konnten diese Vorgaben dank der ländlichen Lage gut umgesetzt werden.

Die Siedlungen waren dabei mehr als reine Wohnorte. Sie bildeten die Grundlage für eine neue, solidarisch geprägte Lebensweise mit engem, nachbarschaftlichem Zusammenhalt – ein soziales Gefüge, das bis heute im Stadtbild und im Gemeinschaftsgefühl spürbar ist.

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"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Kulturelles Leben

Schulwesen

Mit dem Bevölkerungswachstum stieg auch der Bedarf an schulischer Versorgung. Die bereits 1874 errichtete Schule an der Bummannsburg war um 1900 zu klein geworden. 1903 wurde daher ein neues Schulgebäude für die katholische Gemeinde gebaut (heute: Freiherr-von-Ketteler-Schule) und das alte Schulhaus wurde zum Armenhaus umfunktioniert. 1905 folgte noch die evangelische Hellweg-Schule. In den Folgejahren wurde das Schulwesen stetig erweitert, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden.

Alltag: Konsum, Kneipen und Kultur

Zum Alltag in der Kolonie gehörten auch Konsumläden, in denen die Belegschaft der Zeche zu günstigen Preisen einkaufen konnte. Zusätzlich kamen Milchbauern und Müller regelmäßig durch die Siedlungen. Geld war knapp, Süßigkeiten ein Luxus. Kinder stillten ihren süßen Hunger mit Brot und Rübenkraut oder selbstgemachten Bonbons – den sogenannten „Klümkes“. Soweit wie möglich versorgten sich die Familien über kleine Nutzgärten selbst.

Vereine und Zusammenhalt

Der Wunsch nach Gemeinschaft zeigte sich besonders im Vereinsleben. Neben traditionellen Schützen-, Krieger- und Landwehrvereinen entstanden Turnvereine, Musikgruppen, Laientheater, Brieftaubenzüchter- und Angelvereine. Auch die Ruhrpolen gründeten eigene Vereine, darunter Sport- und Frauenvereinigungen sowie berufliche Interessenvertretungen. Ein Beispiel für die starke gewerkschaftliche Selbstorganisation ist der Knappenverein „Bruderkette“, der 1914 gegründet wurde.

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Die Geschichte

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"Alte Kolonie" in Bergkamen-Rünthe

Aus dem Leben in der Kolonie